DJI
tu Dortmund

Nationale Bildungsberichterstattung

Ausgewählte Ergebnisse des Nationalen Bildungsberichts 2018

Für den Bereich der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung wurden im Bildungsbericht 2018 folgende zentralen Ergebnisse herausgearbeitet:

  • Kindertagesbetreuung wird weiter ausgebaut:
    Im Jahr 2017 gehen 762.000 Kinder unter drei Jahren in eine Kita oder Tagespflege. Dies ist weit mehr als das 1,5-Fache der Kinder, die 2006 eine Kita oder Tagespflege besuchten. Zu dem Anstieg hat insbesondere die Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Platz in der Kindertagesbetreuung ab dem vollendeten ersten Lebensjahr im Jahr 2013 beigetragen. Auch die Zahl der Plätze für Kinder zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt musste ab 2012 wieder deutlich ausgebaut werden. Mittlerweile besuchen rund 2,4 Millionen Kinder in Deutschland eine Kita oder Tagespflege. 
    Trotz des starken Ausbaus erfüllte sich der Wunsch nach einem Betreuungsplatz nicht für alle Eltern. Ein Grund dafür ist, dass Mütter nach der Elternzeit früher und mit mehr Wochenstunden wieder in den Beruf zurückkehren. Durch den anhaltenden Geburtenanstieg und die hohe Zuwanderung in den Jahren 2015 und 2016 stieg zudem die Anzahl der Kinder in beiden Altersgruppen. Entsprechend wird sich der Ausbau künftig noch stärker als bisher fortsetzen.
  • Immer mehr Kinder besuchen immer früher eine Kita oder Kindertagespflege:
    Während im Jahr 2006 nur 12 Prozent der Einjährigen und 27 Prozent der Zweijährigen eine Kita oder Kindertagespflege besuchten, waren es 2017 bereits 37 Prozent bzw. 62 Prozent der Kinder in der jeweiligen Altersgruppe.
    Seit 2015 ist die Bildungsbeteiligung trotz des starken Platzausbaus relativ konstant geblieben, da die Anzahl der Kinder in der Bevölkerung gestiegen ist: Demnach besucht jedes dritte Kinder unter drei Jahren eine Kita oder Kindertagespflege und mit 94 Prozent nahezu jedes Kind im Alter zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt.
  • Heterogenität in den Einrichtungen nimmt zu:
    Auf die steigende Heterogenität in den Einrichtungen haben Politik und Träger bereits reagiert: Der Personalschlüssel ist besser, wenn mehr Kinder in einer Gruppe sind, die unter drei Jahre alt sind, die zuhause meist kein Deutsch sprechen und wenn Kinder in der Gruppe sind, die aufgrund einer Behinderung Eingliederungshilfe erhalten.
    In Gruppen für unter Dreijährige ist rechnerisch im Mittel eine pädagogisch Tätige für vier Kinder zuständig. In Gruppen für Drei- bis Sechsjährige kommt eine pädagogisch Tätige auf 8,5 Kinder. Dabei bestehen weiterhin große Unterschiede zwischen den Bundesländern: In einigen ostdeutschen Ländern sind pädagogisch Tätige rechnerisch für doppelt so viele Kinder zuständig wie ihre Kolleginnen und Kollegen in einigen westdeutschen Ländern.
  • Zusätzliche Fachkräfte werden dringend gebraucht:
    Würden sich alle Länder an den fachlichen Empfehlungen für Personalschlüssel orientieren, müssten bis zum Jahr 2025 bis zu 270.000 zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden. Zudem scheiden bis dahin altersbedingt voraussichtlich 171.000 Fachkräfte aus Kindertageseinrichtungen aus, für die Ersatz gefunden werden muss. Aufgrund des Geburtenanstiegs, der Zuwanderung und bislang nicht erfüllter Elternwünsche werden noch weitere 142.000 Fachkräfte benötigt. Die im gleichen Zeitraum zu erwartenden 274.000 neu Ausgebildeten können diesen Personalbedarf nicht in vollem Umfang decken, sodass bis zu 309.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt werden.

Anlage und Nutzen der Untersuchung
Der alle zwei Jahre erscheinende nationale Bildungsbericht stellt das zentrale Ergebnis der Bildungsberichterstattung dar. Er besteht im Kern aus einem systematischen und regelmäßig aktualisierbaren Satz von Indikatoren, welcher aus amtlichen Daten und sozialwissenschaftlichen Erhebungen in Zeitreihe ermittelt und dargestellt wird, wenn möglich im internationalen Vergleich sowie aufgeschlüsselt nach Bundesländern. Diese indikatorengestützte Berichterstattung erfolgt regelmäßig über alle Bildungsbereiche (Frühe Bildung, Betreuung und Erziehung; allgemein bildende Schule und non-formale Lernwelten im Schulalter; Hochschule; Weiterbildung und Lernen im Erwachsenenalter). Zusätzlich wird in jedem Bericht über ein Schwerpunktthema berichtet, in 2008 war dies das Thema Migration, im Bericht 2010 die demografische Entwicklung und ihre Bedeutung für die Bildungseinrichtungen, in 2012 die kulturelle Bildung im Lebenslauf, in 2014 die Bildung von Menschen mit Behinderung, im Bericht 2016 wurde – wie bereits im ersten Bericht – das Thema Bildung und Migration aufgegriffen und im Bericht 2018 wurden Wirkungen und Erträge von Bildung analysiert.

Durchführung
Der Forschungsverbund DJI/TU Dortmund bearbeitet in Kooperation mit dem DJI schwerpunktmäßig die Indikatoren zur Frühen Bildung, Betreuung und Erziehung und leistet Zuarbeiten zum Indikatorensatz über die allgemeinbildenden Schulen und non-formale Lernwelten. 
Hauptsächlich basiert der Indikatorensatz zur frühen Bildung auf Daten aus der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik. Die fachliche Auswertung dieser Statistik und die Kommentierung der Erkenntnisse aus diesen Analysen zählt neben der Diskussion der gewonnenen Erkenntnisse im Kreis der Kooperationspartner zur Kernaufgabe der Mitarbeit des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund an der nationalen Bildungsberichterstattung. 
Der nationale Bildungsbericht wird durch ein Konsortium folgender Kooperationspartner erstellt: Deutsches Jugendinstitut (DJI), Deutsches Institut für internationale Pädagogische Forschung (DIPF), Deutsches Zentrum  für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), Soziologisches Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI), Statistisches Bundesamt (Destatis) und Statistische Landesämter (StLÄ).

Laufzeit
Juni 2007 - September 2024

Kooperation
Deutsches Jugendinstitut

Förderung
Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK).
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Mitarbeiter/-innen
Christiane Meiner-Teubner
Tel.: 0231/755-8188
christiane.meiner@tu-dortmund.de

Publikationen