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tu Dortmund

BEM I: Bürgerschaftliches Engagement und Management in Verbänden des Non-Profit-Sektors

Obgleich es sich beim Thema "bürgerschaftlichen Engagement" um eine stark beachtete Thematik handelte, wurden bei der inhaltlichen Aus­ein­­andersetzung zugleich markante Wissenslücken und ein erheblicher Forschungsbedarf zu verschiedenen Bereichen ehrenamtlichen und freiwilligen Engagements sichtbar. Eine der in diesem Zusammenhang am wenig­sten beantworteten Forschungsfragen bezog sich auf die organisationalen Rahmenbedingungen bürgerschaftlichen Engagements. In diesem Kontext wurde auf Initiative von Vertreterinnen und Vertretern aus den Bereichen der Verbände, der Politik und der Wissenschaft vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) das Projekt "Bürgerschaftliches Engagement & Management" (BEM) ins Leben gerufen, das als Kooperationsprojekt der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der TU Dortmund unter Leitung von Prof. Dr. A. Zimmer (Institut für Politikwissenschaft der Univ. Münster) und Prof. Dr. Th. Rauschenbach durchgeführt wurde.

Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses standen die haupt- und ehrenamtlich tätigen Funktionsträgerinnen und Funktionsträger, die maßgeblich die verbands- und strukturpolitische Ausrichtung gemeinnütziger Organisationen bestimmen und wesentlichen Einfluss auf strategische Entscheidungen haben. Als Mitglieder in Vorständen und in der Geschäftsführung, in Aufsichts- und Kontrollgremien bilden sie die zentrale Steuerungsgruppe gemeinnütziger Organisationen, denen auf den verschiedenen föderalen und fachlichen Organisationsebenen die Verantwortung für die Gestaltung und Förderung des bürgerschaftlichen Engagements obliegt. Um die Führungsetagen gemeinnütziger Organisationen gezielt in den Blick zu nehmen, sollten im Rahmen des Forschungsvorhabens

  • erstens valide Daten über die "vergessene Elite" der Republik erhoben und analysiert werden, um die hierzu bestehenden Forschungslücken zu schließen und den Wissenstand zur Gruppe der beruflichen und ehrenamtlichen Führungskräfte in gemeinnützigen Organisationen in systematischer Weise zu verbreitern.

  • zweitens die Rahmenbedingungen, Schwierigkeiten und Herausforderungen einer Tätigkeit im Dienst des bürgerschaftlichen Engagements aus dem Blickwinkel der Entscheiderinnen und Entscheider in den Vorständen und in den Geschäftsführungen untersucht werden.

Das Anliegen der Untersuchung lag allerdings nicht allein darin, eine Forschungslücke zu schließen. Mit der Erhebung wurde gleichzeitig das Ziel verbunden, gemeinnützigen Organisationen praxisrelevantes Wissen zur Verfügung zu stellen. Hiermit war für das Projektteam der Wunsch verbunden, einen Beitrag dazu zu leisten, dass es gemeinnützigen Organisationen zukünftig etwas besser gelingen wird, auf der Basis einer soliden Wissensgrundlage ihr Personalmanagement und ihre Personalentwicklung optimaler zu gestalten, die Zusammenarbeit zwischen beruflichen und ehrenamtlichen Führungskräften gezielter als bisher zu fördern und die auf sie derzeit zukommenden Herausfor­derungen auch im Hinblick auf die Vertiefung und Erweiterung bürgerschaftlichen Engagements konstruktiv zu bewältigen.

Anlage und Nutzen der Untersuchung

Um praxisrelevantes Wissen zu erheben, wurden bereits frühzeitig Expertengespräche mit Verbandsvertreter(inne)n geführt und ein Kooperationsnetz gegründet, das im Verlauf des Projektes zunehmend erweitert werden konnte. In Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteuren wurde ein Forschungsdesign der Untersuchung erarbeitet, das sich an im Einzelnen an sieben Inhalts- und Fragehorizonten orientierte:

  • der Ermittlung sozio-struktureller Daten zur Charakterisierung des Kreises der Führungskräfte in gemeinnützigen Organisationen

  • der Rekonstruktion von Engagement- und Berufsverläufen im Lebenslauf der Führungskräfte

  • der Erfassung der Motivlagen und Wertorientierungen der Führungskräfte

  • die Untersuchung der Aufgaben- und Tätigkeitsprofile der Führungskräfte, einschließlich ihrer Zuständigkeits- und Kompetenzbereiche in der Organisation

  • der Ermittlung des Anforderungs-, Aufgaben- und Kompetenzprofils von Führungskräfte in NPOs

  • die Analyse der Rahmenbedingungen der ehrenamtlichen und beruflichen Tätigkeit

  • die Erfassung von Unterschieden zwischen weiblichen und männlichen Führungskräften.

Den methodischen Kern des Forschungsvorhabens bildete, neben umfangreichen Literaturanalyse und leitfadengestützten Experteninterviews,  vor allem die telefonische Befragung der ehrenamtlichen und beruflichen Führungskräfte, die auf der Grundlage eines standardisierten Erhebungsbogens durchgeführt wurde.

Laufzeit

Oktober 2003 - Mai 2006

Kooperation

Westfälische Wilhelms-Universität, Münster

Förderung

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Mitarbeiter/-innen

Karin Beher
Tel.: 0231/755-6581
E-Mail: karin.beher@tu-dortmund.de

Publikationen