DJI
tu Dortmund

Aufgabenprofile und Qualifikationsanforderungen in den Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe

Das Deutsche Jugendinstitut e.V. (DJI) wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesjugendbehörden bzw. dem damalig federführenden Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg mit der Erstellung einer Expertise zum Thema "Aufgabenprofile und Qualifikationsanforderungen in den Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe" beauftragt, deren Bearbeitung im Rahmen des Forschungsverbundes zwischen dem DJI und der TU Dortmund erfolgte. Im Spiegel des Personal-, Fachlichkeits- und Qualifizierungsdiskurses bestand die zentrale Zielsetzung des Forschungsprojekts darin, die wesentlichen Aufgaben der Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe und die zur Bewältigung ihres beruflichen Alltags erforderlichen Kompetenzen exemplarisch für die Handlungsfelder der "Kinderbetreuung", der "Hilfen zur Erziehung", der "Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit" und des "Jugendamtes" zu ermitteln, zu analysieren und darzustellen. Ergänzend sollten ausgewählte Qualifikationsprofile im Spiegel der Ausbildungs- und Berufsstrukturen betrachtet werden. 

Anlage und Nutzen der Untersuchung

Für die Erstellung des Forschungsdesigns wurde ein Praxis- und Tätigkeitsbegriff erarbeitet, der auf vier Dimensionen beruht, die jeweils einen spezifischen Ausschnitt der "beruflichen Handlungsvollzüge" der Fachkräfte beleuchten. Hierzu gehören (1) die zu beobachtenden sozio-strukturellen und -kulturellen Wandlungsprozesse als Indikatoren für die gesellschaftlich erzeugten und sich verändernden Anforderungen an das Qualifikationsprofil, (2) die rechtlichen Normierungen des SGB VIII, dessen strukturbildende Gestaltungs- und Qualitätsvorgaben den Rahmen für die berufliche Tätigkeit in den Angeboten und Einrichtungen setzen, (3) die wissenschaftlichen Erkenntnisse und fachlichen Normierungen bzw. verbands-, träger- und berufspolitischen Stellungnahmen, die Anhaltspunkte zur Entwicklung konzeptioneller und personeller Standards liefern, und (4) die Implikationen des faktischen Berufsalltags, also der konkreten Aufgaben- und Handlungsvollzüge des Personals im Kontext der institutionellen Bedingungen, unter denen es tätig ist. Ausgehend von diesen Prämissen waren die folgenden Themen- und Fragehorizonte für die Konzipierung der Untersuchungsmethoden (s.u.) sowie die Durchführung der arbeitsfeldbezogenen Analysen und Erhebungen forschungsleitend:

  • Diskursanalyse: Was heißt "Fachlichkeit" in der Kinder- und Jugendhilfe und in welchen Diskussions- und Forschungszusammenhängen werden die hiermit verbundenen Fragen abgehandelt? 

  • Arbeitsmarktanalyse: Wie ist die Kinder- und Jugendhilfe als Berufsfeld strukturiert? Wie lässt sich das formale Qualifikationsniveau beschreiben? 

  • Ausbildungsanalyse: Wie ist die Ausbildungslandschaft konzipiert? Welche Ausbildungs- und Berufskonzepte liegen den einzelnen Qualifikationsprofilen zugrunde? Welche Entwicklungen sind erkennbar? Wo zeigen sich Schwachstellen, Veränderungs- und/oder Reformbedarf?

  • Aufgaben- und Tätigkeitsanalyse: Welche rechtlich definierten, fachlich diskutierten und empirisch ermittelten Aufgaben müssen die Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe bewältigen? Welche Anforderungen und Tätigkeiten sind im konkreten Berufsalltag von Bedeutung? 

  • Kompetenzanalyse: Welches Wissen und Können brauchen die Fachkräfte zur Bewältigung ihrer Aufgaben und Tätigkeiten? Wie lassen sich diese Kompetenzen beschreiben? In welchen Aufgabenbereichen bestehen möglicherweise Kompetenzdefizite und Qualifizierungsbedarf? 

  • Perspektivanalyse: Welche Herausforderungen werden zukünftig verstärkt auf die Kinder- und Jugendhilfe zukommen? Was sollten Profis in der Kinder- und Jugendhilfe wissen und können?

Durchführung

Das Untersuchungsdesign basiert auf drei Standbeinen: (1) Umfangreiche Literaturanalysen zur Erfassung des Fachdiskurses, (2) eine sekundäranalytische Auswertung der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik sowie (3) sogenannte "Institutionenportraits", die für insgesamt 13 Organisationen aus den vier Arbeitsfeldern erstellt wurden. Hierzu wurden in den Einrichtungen jeweils Eingangsinterviews, schriftliche Zeitverwendungsbefragungen sowie Gruppendiskussionen durchgeführt. Dieser qualitative Zugang, bei dem die Anforderungen des beruflichen Alltags und das erforderliche Kompetenzprofil der Mitarbeiter/-innen im Vordergrund standen, wurde durch die Ergebnisse aus zwei weiteren Studien erweitert, die im Kontext anderer Forschungsprojekte erarbeitet wurden. Hierzu zählt zum einen eine ethnographische Studie zu beruflich-habituellen Profilen in der Kinder- und Jugendhilfe, zum anderen eine Sonderauswertung einer im Jahr 2001 durchgeführten quantitativen Befragung zur Berufseinmündung und zum Berufsverbleib von Absolvent(inn)en ausgewählter Hochschulstudiengänge. Durch die Einbeziehung der beiden Untersuchungen wurde der empirische Blickwinkel erweitert und das methodische Repertoire des Forschungsdesigns vergrößert.

Laufzeit 

Oktober 2002 - November 2003

Kooperation

Deutsches Jugendinstitut

Förderung 

Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesjugendbehörden; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Mitarbeiter/-innen

Karin Beher
Tel.: 0231/755-6581
E-Mail: karin.beher@tu-dortmund.de 

Nicola Gragert

Publikationen