DJI
tu Dortmund

Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut/TU Dortmund

Der Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut/Technische Universität Dortmund wurde im September 2002 als Forschungseinrichtung des damaligen Fachbereichs Erziehungswissenschaft und Soziologie an der Universität Dortmund gegründet. Ziel des Forschungsverbunds ist es heute, Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie Fachveranstaltungen im Themenspektrum von

  • Kinder- und Jugendhilfe,

  • Familie, Kindheit, Jugend und Geschlechterforschung,

  • Soziale Dienste und soziale Berufe,

  • Formen des Engagements jenseits von Lohn- und Familienarbeit (bürgerschaftliches Engagement, Ehrenamt, Zivildiest ud Freiwilligendienste)

durchzuführen. Zu den Aufgaben des Forschungsverbundes gehören wissenschaftsbasierte Dienstleistungen und die Beratung von Politik und Fachpraxis auf allen föderalen Ebenen.

Entwicklung des Forschungsverbundes

Die Gründung des Forschungsverbundes geht auf die Initiative des jetzigen Leiters des Verbundes und derzeitigen Direktors des Deutschen Jugendinstituts (DJI), Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, zurück. Das DJI ist das größte außeruniversitäre sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut im Bereich Kinder, Jugendliche und Familien. Prof. Dr. Rauschenbach lehrte und forschte bis Mitte des Jahres 2002 an der Universität Dortmund.

Aus nachhaltigen Kooperationsbezügen der letzten Jahre zwischen dem Deutschen Jugendinstitut und der Technischen Universität Dortmund hat sich der Forschungsverbund entwickelt. Beide Forschungseinrichtungen bringen ihr Knowhow und ihre Ressourcen in die Kooperation ein. Finanziell unterstützt wird der Forschungsverbund vor allem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und der TU Dortmund. Hinzu kommen Drittmittel weiterer Partner.

Die Bilanz des Forschungsverbundes nach fast sieben Jahren verdeutlicht für die bearbeiteten Themenstellungen nicht nur ein vielseitiges inhaltliches Spektrum, sondern zeigt auch Erkenntnisgewinne sowie Beratungserfolge in und für Fachpraxis, Politik und Wissenschaft:

Eine Wurzel des Forschungsverbundes ist die Arbeitsmarkt- und  Berufsfeldforschung für die Sozialen Dienste. Erste Arbeiten hierzu gehen auf den Anfang der 1990er-Jahre und damit auf Ergebnisse von Projekten am Lehrstuhl für Sozialpädagogik der Universität Dortmund zurück. Die Studien sind heute so aktuell wie damals, problematisieren sie doch beispielsweise die Funktionalität des Ausbildungssystems für den Arbeitsmarkt oder fordern nicht zuletzt konkret die Anhebung der Ausbildung von Erziehern/-innen. Im Zuge der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Personalfragen wurden die Forschungsaktivitäten zunehmend auch auf jene Mitarbeitergruppen und Arbeitsformen ausgedehnt, die sich jenseits der Hausarbeit und diesseits der Erwerbsarbeit verorten lassen. Mit der Forschung zum bürgerschaftlichen Engagement wurde ein gesellschaftlicher Bereich in den Blick genommen, der sich zunehmender Aufmerksamkeit erfreut.

Nicht zuletzt auch aus dieser Tradition der Arbeitsmarkt- und Berufsfeldforschung heraus hat sich seit den 1990er-Jahren die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik als eine forschungs- und wissenschaftsbasierte Dienstleistungsstelle für Fragen und Ergebnisse einer empirischen Dauerbeobachtung zu Leistungen und Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe etabliert. Der Informationsdienst der Arbeitsstelle „KomDatJugendhilfe“ wird von rund 3.000 Abonnenten/-innen gelesen.

Der Ausbau öffentlicher Angebote der Erziehung, Bildung und Betreuung für Kinder vor der Einschulung gehört mit zu den zentralen gesellschaftspolitischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte. Diskussionen um die Notwendigkeit einer entsprechenden Infrastruktur bedürfen einer gesicherten Datenbasis. Der Forschungsverbund leistet hierzu seit vielen Jahren einen empirischen Beitrag nicht nur in Form verstetigter Analysen amtlicher Daten, sondern auch im Rahmen einer Mitarbeit an der Auswertung einschlägiger Untersuchungen, z.B. bei der Zeitbudgeterhebung des Statistischen Bundesamtes oder auch der DJI-Kinderbetreuungsstudie.

In der derzeitigen Bildungsdebatte geraten informelle Lernprozesse und -orte zunehmend in den Blick von Wissenschaft und Öffentlichkeit. Aufgrund einer Untersuchung des Forschungsverbundes kann nachgewiesen werden, dass Bildung mehr ist als Schule. Befragt wurden Personen, die sich im Jugendalter freiwillig engagiert haben.

Das Arbeitsfeld Kinder- und Jugendarbeit stellt einen weiteren thematischen Schwerpunkt des Forschungsverbundes dar. So fand im Jahr 2002 der bundesweite Fachkongress „Kinder- und Jugendarbeit – Wege in die Zukunft“ statt. Daran nahmen weit mehr als 1.000 Teilnehmer/-innen teil. Zudem konnten Formen des Berichtswesens für Handlungsfelder der Kinder- und Jugendarbeit, insbesondere der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, flächendeckend am Beispiel von Nordrhein-Westfalen erprobt werden. Auch als Weiterentwicklung dieser so genannten „Strukturdatenerhebung“ wird zurzeit ein Forschungsdesign entwickelt, mit dem eine Wirkungsforschung für die Kinder- und Jugendarbeit umgesetzt werden soll.

Die gesellschaftliche Bedeutung von Ganztagsschulen bzw. -angeboten in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Ursache hierfür ist die insbesondere durch PISA angeregte Diskussion über die besten Rahmenbedingungen für schulisches Lernen. Angesichts der steigenden Erwerbsbeteiligung insbesondere von jüngeren Frauen tritt zugleich die sozial- und arbeitsmarktpolitische Bedeutung von Ganztagsangeboten zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärker in den Vordergrund. Gemeinsam mit weiteren renommierten Forschungsinstituten hat der Forschungsverbund die wissenschaftliche Begleitung der offenen Ganztagsschulen im Primarbereich in Nordrhein-Westfalen übernommen.