Kindertagesbetreuung NRW 2026
Empirische Trends zum Wandel der Angebote der frühen Bildung mit einem Schwerpunkt zu Personalunterdeckungen nach § 47 SGB VIII
Die Kindertagesbetreuung in Nordrhein-Westfalen befindet sich in einem spürbaren Wandel. Nach einer langen Phase des Ausbaus stellen sich neue Fragen: Wie entwickeln sich die Angebote der frühen Bildung angesichts der veränderten demografischen Rahmenbedingungen? Verändert der Wandel die Betreuungs- und Versorgungssituation der Kinder? Zeigen sich dabei regionale Unterschiede? Und wie verlässlich können die bestehenden Betreuungsangebote unter den Bedingungen von Personalunterdeckungen tatsächlich bereitgestellt werden?
Diesen Fragen widmet sich der Bericht „Kindertagesbetreuung NRW 2026“. Auf Grundlage verschiedener amtlicher und administrativer Datenquellen werden wesentliche Entwicklungen der Kindertagesbetreuung in Nordrhein-Westfalen fortgeschrieben und regionale Unterschiede sichtbar gemacht. Die zugrunde liegenden Daten ermöglichen einen Blick auf die Veränderungen der vergangenen Jahre und zugleich auf die zu erwartenden strukturellen und quantitativen Entwicklungen im Kindergartenjahr 2026/27. Die Angaben zum Kita-Jahr 2026/27 beruhen auf Planungsdaten und können sich im Jahresverlauf noch verändern.
Im Schwerpunktkapitel stehen die Meldungen zu Personalunterdeckungen nach § 47 SGB VIII im Fokus. Diese werden im Hinblick auf ihr Ausmaß und ihre regionale Verteilung, die angegebenen Gründe, die ergriffenen Maßnahmen sowie die Merkmale häufig meldender Einrichtungen analysiert. Damit verknüpft der Bericht eine datengestützte Bestandsaufnahme mit einem vertieften Blick auf die Verlässlichkeit frühkindlicher Bildungs- und Betreuungsangebote in NRW.
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Ausgewählte Ergebnisse
- Erstmals weniger Kitas und rückläufige Platzkapazitäten
Für das Kita-Jahr 2026/27 sind 10.805 KiBiz-geförderte Kitas erfasst – 44 weniger als 2025/26. Den 80 geplanten Neueröffnungen stehen 124 Schließungen gegenüber. Zugleich wurden in Kitas gegenüber dem Vorjahr 736 Plätze weniger für unter Dreijährige und 8.241 Plätze weniger für Kinder ab drei Jahren beantragt. Damit zeichnet sich nach der langjährigen Ausbauphase eine Trendwende ab. - Deutliche Trendumkehr in der Kindertagespflege erkennbar
Auch in der Kindertagespflege gehen die beantragten Platzkapazitäten deutlich zurück. Nach dem Höchststand im Kita-Jahr 2024/25 wurden für 2026/27 insgesamt rund 11.700 Plätze weniger beantragt; allein gegenüber 2025/26 beträgt der Rückgang rund 7.800 Plätze. Betroffen ist vor allem das Angebot für unter Dreijährige. Welche Anteile der rückläufigen Kapazitäten in Kitas und Kindertagespflege auf Demografie, Nachfrage, Planungsentscheidungen oder Ressourcenengpässe zurückgehen, lässt sich aus den Daten allein nicht bestimmen. - Anteil Kinder nichtdeutscher Familiensprache unterscheidet sich nach Altersgruppe und Region
Im März 2026 lag der Anteil der Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache in Kitas bei unter Dreijährigen bei 21% und bei den Kindern ab drei Jahren bei 28%. Zugleich zeigen sich deutliche regionale Unterschiede: Über beide Altersgruppen hinweg lagen die Anteile zwischen den Jugendamtsbezirken bei 10% bis 52%. Die Daten verdeutlichen damit unterschiedliche Ausgangsbedingungen für Sprachbildung und Sprachförderung vor Ort. - Viele Kitas melden Personalunterdeckungen – ein kleiner Teil dabei besonders häufig
Im Kalenderjahr 2025 wurden rund 36.000 Meldungen zu Personalunterdeckungen aus gut 6.000 verschiedenen Kitas erfasst. Damit meldeten rund 55% der Kitas mindestens eine Personalunterdeckung in 2025. Zugleich konzentrierte sich ein erheblicher Teil des Meldeaufkommens: Auf rund 5% der Kitas entfielen 34% des Meldeaufkommens. - Häufigste Maßnahmen sind reduzierte Betreuungszeiten und Platzzahlen
Kitas reagierten am häufigsten auf Personalunterdeckungen mit reduzierte Betreuungszeiten und verringerten Platzzahlen. Die Befunde zeigen, dass auch ein teilweise aufrechterhaltener Betrieb mit spürbaren Einschränkungen für Kinder und Eltern verbunden ist. - Kurzfristige Krankheitsausfälle sind der häufigste genannte Grund
Bei 92% der Meldungen wurden kurzfristige krankheitsbedingte Personalausfälle als Grund für die Personalunterdeckung genannt. In rund der Hälfte der Meldungen wurde mehr als ein Grund angegeben. Häufig überlagern sich somit verschiedene Ausfälle und Belastungen.
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